Anja

Ich habe gelernt, dass man offen über seine Gefühle sprechen soll um diese zu erkennen. Es ist aber schwierig über ein Gefühl zu sprechen wenn man dieses nicht kennt. Dieses Gefühl hatte ich bei Anja beim auslösen der Kamera als Sie offen ihre Gefühle ohne Worte gezeigt hat. Ein Gefühl welches ich bis heute nicht beschreiben kann.

Für mich ist Fotografie mehr als nur Fotos zu schießen und dies hat mir Anja dieses Jahr auch gezeigt. Ich habe Sie bei einem kleinen Homeshooting nicht nur als Model sondern als Mensch kennen gelernt und als Freund gewonnen bei dem ich ein Vertrauen bekam auch über andere Dinge im Leben sprechen zu können. Dieses Vertrauen brachte Sie mir auch entgegen und so kam es dazu, dass Sie mir von einer Geschichte erzählt hat welche ihr Leben sehr beeinflusste.

Diese Geschichte und die damit verbundenen Gefühle wollte Sie mit mir als Fotograf bildlich festhalten und als Message in die Welt hinaus schicken.

Via Instagram haben wir wöchentlich Fotos aus der Serie gepostet und Sie einen entsprechenden Text dazu verfasst. Ein blog Beitrag dazu war schon länger geplant und leider kam ich nicht zeitlich dazu meine Homepage wie geplant neu um zu bauen. Doch heute, zum Abschluss des Jahres sowie eines Jahrzehnts in dem ich selbst viele Tiefen durch lebt habe, möchte ich euch die Aufnahmen mit dem von ihr verfassten Blog Beitrag zeigen.

Mit dem folgenden Posting auf Instagram haben wir begonnen und alleine mit diesem über 10tsd. Menschen erreicht und davon waren ca. 90% Frauen unter 20 Jahren.

„Du bist zu dünn“, „du bist zu dick“, „zu groß“, „deine Nase passt nicht“, „du solltest mal Sport machen“, „mit deinen Knochen könnten meine Hunde spielen“, „also vor die Kamera gehörst du nicht, mit dem Gesicht“
Ein kleiner Auszug von dem, was ich in zwei Jahren alles zu hören bekommen habe und ja ich habe mir alles durchgelesen und sehr zu Herzen genommen.
Heute weiß ich wie falsch das war.

Jeder Mensch ist wunderschön und die (a)socialen Medien, sowie TV und Werbung leben uns eine Welt vor, die weder gesund noch schön ist.

Ich muss in den Spiegel schauen können und mich schön finden und sonst niemand.
Leider muss ich das erst wieder lernen, da die ganzen kleinen Lichter hinter den Bildschirmen mein Selbstwertgefühl so klein gemacht haben, das ich mich gar nicht mehr im Spiegel anschauen wollte.

Jeder Mensch ist auf seine Weise wunderschön und verdient es mit Respekt behandelt zu werden ❤

Hier die Galerie und Anja’s Blog Beitrag dazu

-Ein Einblick in mich-

Ja das bin ich….

Die meisten würden jetzt sagen „wow siehst du gut aus“, „dein Bauch“, „die Muskeln“

Was sehe ich?
Ein Körper der mir den Dienst versagt hat…
Wieso?
Ich mache seit klein auf Sport, Leistungssport, ich habe jede Menge probiert.
Turnen, Schwimmen, Leichtathletik, Wildwasserkanu, Reiten und dann am Ende Boxen, ich war gut, richtig gut.
Ich war 18 und nach einem Jahr sagte mein Trainer zu mir, ich kann meinen ersten Wettkampf haben, wenn ich will, natürlich wollte ich. Mein Gewicht hat gestimmt und ich war gut im Training.
Und dann während des Trainings, zwei Wochen vor dem Wettkampf, kamen sie, Bandscheibenvorfälle, zwei Stück (war am nächsten Tag direkt im MRT) und eine Woche später noch einer, da lag ich eine Nacht mit Morphium im Krankenhaus, weil ich nichts mehr konnte vor Schmerzen.

Mein einziger Gedanke war, ich kann nicht kämpfen, ich kann nicht in den Ring.
Mein Arzt sagte mir ganz trocken „Sport? Sei froh das du noch laufen kannst“
Das hat gesessen….
OP kam nicht in Frage, weil ich so jung war und die Vorfälle auch scheiße liegen, also habe ich alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft

Ich war in einem Loch
Nie mehr Sport, nie mehr Boxen……

Vor drei Jahren fing ich langsam wieder an mit Sport, ich habe lange gebraucht um den Mut zu finden was zu machen, ich habe jetzt auch immer noch Schmerzen, nicht schlimm, ich lebe damit.

Inzwischen bin ich soweit, dass ich 5-6x die Woche trainieren gehen, ja „nur“ im Fitnessstudio, aber für mich besser als gar nichts.

Aber wenn ich meinen Körper ansehe, sehe ich nicht das was ihr seht, sondern, dass er mir den Dienst versagt hat……

Schlußworte von Anja

Ich stehe seit gut einem halben Jahr nicht mehr vor der Kamera und mache nur noch das „nötigste“ in den socialen Medien und ja, ich kann sagen, es geht mir besser.

Es ist ein langer und extrem harter Weg sich selbst so zu lieben wie man ist, mit allen Ecken und Kanten. Aber genau das macht uns aus, macht uns besonders, macht uns zu dem Menschen der wir sind.

Ich habe wunderbare Freunde, die mich auf diesem Weg begleiten und immer für mich da sind und ich habe einen wunderbaren Mann der immer an meiner Seite ist.

Lernt euch zu lieben, genau so wie ihr seid, weil so seid ihr perfekt.
Lebt im realen Leben und nicht im Internet.
Eifert nicht hinter Idealen her, die machen nie erreichen kann, weil sie nicht real sind, sondern mit Photoshop erschaffen.
Seid einfach ihr selbst und steht zu euch. Denn auch für mich war und ist es nicht einfach, aber es geht.

Liebt euch selbst ❤ – Anja

MarcelLerbs Verfasst von: